In Menschen, Natur/Umwelt, So isses aufm Dorf

Schlicht und ergreifend schön

(aus der Serie „So isses aufm Dorf“, Folge 4)

Neuhofen besitzt im Sommer eine Sensation, für die sich sogar die Mannemer über den Rhein bequemen: Die Schlicht. Die Schlicht ist ein türkisblauer Baggersee, an dem schon Generationen von Neuhöfern (und Mannemern) groß geworden sind, und wie viele „Schlichtkinder“ in lauen Sommernächten dort gezeugt wurden, kann man nur vermuten.

Im vergangenen Jahr gingen die Wogen einmal richtig hoch. Nicht in der Schlicht, aber im Neuhofener Gemeinderat. Einigen Mitgliedern war „der Kiosk“ (einen Namen hat er nicht, zumindest nicht, dass ich wüsste) ein Dorn im Auge: Zu viel Lärm, zu viele Partys, zu viel Müll lauteten die Argumente. Der Kiosk sollte weg. Als Alternative galt ein Vorschlag, dort einen Imbisswagen hinzustellen. Vor meinem geistigen Auge entwickelt sich ein Horrorszenario: Dickbäuchige, aus Plastikbechern Bier trinkende, Pommes fressende Schollis, noch mehr Lärm, noch mehr Müll, unkontrollierte und dann richtig laute Partys.

Viele schienen das ähnlich zu fühlen, und so gab es Unterschriftenlisten, eine Versammlung der Schlichtretter im ausnahmsweise gerammelt vollen Bürgerhaus, ein Bürgerbegehren, das tatsächlich die erforderliche Stimmenmehrheit erhielt, viele, viele Artikel in der Rheinpfalz und auf facebook. Am Ende hatte es keiner so gemeint und der Kiosk hätte doch nie weg sollen!

Gut so, denn der Kiosk gehört zur Schlicht wie der Kiesbagger und die Schwäne. Er ist sogar ein bisschen stylish, und nett gemacht ist er sowieso. Dort trifft man sich zum Sundowner – Rheingönheimer aus dem Eiskrug – und alte Freunde. Auch Mannemer.

Nun droht neues Ungemach. Das Kieswerk soll erweitert werden, und die Bagger sollen just den Abschnitt fressen, an dem ich es mir immer gemütlich mache. Die Genehmigung liegt vor, und letztes Jahr wurden schon die Weiden an diesem Uferabschnitt gefällt.

Die Schlicht ist ja jedes Jahr aufs Neue spannend, da sie sich durch das Ausbaggern ständig verändert. Wo einst in einem Jahr ein Sandberg war, gibt es im Jahr darauf zwei Seen. Oder Inseln und neue Strände entstehen.

Noch ist alles beim Alten. Heute, am 19. April, habe ich die Saison eröffnet und mich ins Wasser gewagt. Sehr erfrischend.

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