In Menschen, Sprache

Kruuscht

Wörter, die niemand schreibt, Teil 6: Kruuscht

Kruuscht ist ein Wort, mit dem ich aufgewachsen bin. In einem gewissen jungen Alter hörte ich es mindestens einmal am Tag: „Räum dein‘ Kruuscht fort!“ war das Mantra meiner Mutter. Sie wollte, dass ich mein Bett, auf dem sich im Laufe des Tages die Spielsachen angehäuft hatten, abends aufräumte. Kruuscht bedeutet also „Zeug, Kram“. Manchmal ist es auch wertloser Plunder.

Dazu gibt es das Adjektiv „verkruuschtet“. Es bezeichnet eine unaufgeräumte Ecke im Zimmer, also ein Areal, in dem ganz viel Kruuscht liegt. Kinderzimmer weisen viele verkruuschtete Stellen auf. Der Schreibtisch auf dem Bild ebenfalls. Mit seiner nur mäßigen Verkruuschtung ist er jedoch ein Waisenkind gegen den von Donald Trump. Wahrscheinlich hat man ihn nie zum Aufräumen angehalten.

Selbstverständlich gibt es auch ein Verb hierzu. Ein Hobby von mir ist „kruuschteln“. Vorzugsweise auf einer Reise oder unterwegs zu einem Termin: Kaum setzt sich das Verkehrsmittel in Bewegung, krame – kruuschtle – ich frenetisch in meiner Handtasche herum, um zu prüfen, ob ich etwas vergessen habe. Doch erstens habe ich das selten, zweitens ist es sinnlos, denn wenn der Zug erst einmal abgefahren ist, ist es eh zu spät.


Kommentare

  1. Antworten

    Hallo Kathrin, mit diesem Wort kam und komme ich auch oft in Berührung. Der Empfänger bekommt es – je nach Absicht des Sprechenden – mit 2 bis 2 1/2
    „u“ zu Ohren. Meine Heidelberger Oma verwendete es ähnlich in dem von Dir aufgezeigten Sinne. Wir sind augenblicklich damit befasst, unseren Haushalt von allem Entbehrlichen (Kruuuscht) zu befreien.

Kommentar schreiben