In Kurioses

Wo ist nur der Käse hin?

Mirácoli war Kult. Wann immer jemand von uns in Studentenzeiten im Ausland war, wurde ihm eine Packung hinterhergeschickt. Denn das einzige, was wir außerhalb Deutschlands vermissten, war Mirácoli.

Mein Vater konnte nicht kochen. Wenn meine Mutter mal nicht da war, bereitete er für uns beide Spiegeleier oder Mirácoli zu. Da konnte nichts schiefgehen. Alle Zutaten – Nudeln, Tomatensoße, Kräutermischung und der „Pamesello“-Hartkäse – waren einzeln verpackt, und es gab eine Anleitung, was in welcher Reihenfolge in den Kochtopf zu befördern war. Das ist heute noch so.

Nein. Nicht ganz. Es fehlt der Käse. Als dies zum zweiten Mal passierte, griff ich zum Telefonhörer und rief in Verden an der Aller, wo das Unternehmen Mars, welches die Marke Mirácoli von Kraft gekauft hatte, seinen Sitz hat, an.

Dort konnte ich meiner Verwunderung einem sehr netten Herrn gegenüber Luft machen. Er bestätigte, dass Mirácoli inzwischen ohne Käse verkauft werde. Darauf ich: „Ja, werden wir jetzt zu Veganern umerzogen?“
„Nein“ (lacht). „Es ist tatsächlich so, dass wir eine Umfrage gemacht haben. Dabei kam heraus, dass die meisten Käufer den Käse gar nicht mögen. Also haben wir beschlossen, ihn wegzulassen.“ Aha. Ich begrüße grundsätzlich jeden Schritt hin zu weniger Tierprodukten. Aber wenn ich Mirácoli kaufe, freue ich mich immer auch auf den Geschmack meiner vergangenen Jugend.

Um festzustellen, ob ich noch eine ältere Packung erworben hatte, glichen wir Strichcode, MHD (inklusive Uhrzeit!) und Mengenangabe ab, und tatsächlich hatte ich eine alte Packung erwischt, in der Käse hätte sein sollen. Was schließlich auch die Verpackung abbildet (die neuen zeigen keinen Käse mehr und sehen irgendwie gesünder aus; heißen aber immer noch fälschlicherweise „Klassiker“).

Der freundliche Herr versprach mir eine Ersatzlieferung. Allerdings ohne Käse.

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