In Sprache

Erfolgreich manifestieren – weil Wünschen wohl nicht mehr hilft

Momentan manifestieren alle, was das Zeug hält. Man kann so ziemlich alles manifestieren. Bis vor Kurzem wusste ich gar nicht, worum es dabei geht. Als alte Lateinerin kam mir da nur die ursprüngliche Bedeutung in den Sinn (Klugscheißermodus an): „Manifestus“ ist ein Adjektiv und bedeutet offenkundig. Manifestieren heißt folgerichtig nach Duden „als etwas Bestimmtes offenbaren, zum Ausdruck bringen“. Es wird der gehobenen Sprache zugerechnet (Klugscheißermodus aus).

Inzwischen hat manifestieren das Vokabular des Marketings und der Lebensberater durchdrungen. Die sagen, wir sollen das manifestieren, was wir uns wünschen. Vor einigen Jahren hieß das noch „einen Wunsch ins Universum schicken“. Aber das war ja einfach, das konnte jeder, und es lässt sich auch kein Geld damit verdienen. Denn wer Reichtum, Glück, ein schickes Häuschen im Neubaugebiet mit Kiesvorgarten manifestieren möchte, muss dies erst einmal lernen. Dafür gibt es Kurse, Bücher, Seminare und Webinare, für die fleißig Werbung gemacht wird. Gut gefallen hat mir eine Dame, die in ihrem Video sagt: “Jetzt war ich in der Badewanne und habe eine halbe Stunde lang Kunden manifestiert, aber dann habe ich gemerkt, dass ich das anders machen muss.“ Wundert mich nicht. Nach einer halben Stunde in der Wanne hat man auch ohne Manifestieren eine Schrumpelhaut. Anyway, die Dame möchte nun gern ihre Erkenntnisse mit uns teilen. Das finde ich in zweierlei Hinsicht blöd: 1. Dass ich also was TUN muss inzwischen. Wunsch ans Universum schicken, zack, dann die Hände in den Schoß, geht also nicht mehr. 2. Dass es kostenpflichtig ist und ich fürs Wünschen Geld bezahlen soll. Ich selber glaube fest an die Zeit, in der das Wünschen und Bedanken noch geholfen hat, und meine Freundin spricht z. B. vor dem Einschlafen ein Gebet.

Die niedliche Bildgrundlage stammt von www.formandoalunos.blogspot.com


  

Kommentare

  1. Antworten

    Sehr schön herausgearbeitet, was ich auch so mit Verwunderung feststelle. Es wird mit allem Geld gemacht, man muss nur ein neues, vermeintlich sinnstiftendes Wort dafür finden. Wie weit sind wir Menschen denn weg von unserer inneren Stimme. Beim Beten kann man die sehr gut hören.

    1. Antworten

      Ah, ich wusste, dass Du es liest. Danke dafür und Deinen Kommentar! Wen habe ich wohl mit dem Abendgebet gemeint?🥰 Genau DAS ist der Kontakt zu uns selbst!

  2. Darüber muss ich gerade sehr schmunzeln. Ich sag ja immer: wünschen kann man sich viel, aber man muss auch etwas tun, damit das mit dem „manifestieren“ klappt. Von nix kommt nix, so einfach ist das. 😉

    1. Schmunzeln ist gut, liebe Heike! In der Tat muss man was tun, und ich arbeite nun an meiner „Wunschkultur“, sprich, meiner Haltung und Einstellung. Da gibt es in der Tat viel zu lernen. Ich sage nur:Pierre Franckh. Der will zwar auch Seminare verkaufen, gibt aber bereits vorab eine Fülle wertvoller Tipps. Bin begeistert.

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