In Menschen

Siamkatze foreign white

Mutterstadt lacht sich schlapp

Eine Selbsterfahrung mit Lachyoga

Der erwachsene Mensch lacht zu wenig. In unserem Leben zwischen Mülltrennung, Stromrechnung, manchmal Existenzängsten, Verantwortung für Lebewesen, Versicherungen und Steuererklärung haben wir ja auch wirklich nicht viel zu lachen. Da wollte ich mal gegen angehen: Mit einem Lachyoga-Kurs an der VHS Mutterstadt.

Denn der Volksmund hat recht: Lachen ist gesund. Es verpasst dem Körper eine Sauerstoffkur, Glückshormone inbegriffen. Wussten Sie, dass beim Lachen die Atmung vertieft ist und weit über 100 Muskeln beteiligt sind? Das ist Fitness pur! Zudem reduziert Lachen das Schmerzempfinden, kurbelt Heilungsprozesse an, und beim Lernen hilft es ebenfalls. Sogar eine ernste Wissenschaft gibt es hierzu – die Gelotologie. Was wie eine Mischung aus Schnupfenmittel und Erdkunde klingt, ist die Erforschung von den Auswirkungen des Lachens. Martina Müller, unsere Lachyogalehrerin, hat sich eingehend damit beschäftigt.

Gespannt lauschen wir Teilnehmer im Alter von 11 bis 70 Müllers Einführung. Und sollen dann auch gleich loslachen. So darf sich jeder mit Namen vorstellen, sich dabei totlachen, und seine Schuhgröße mit dem Alter vertauschen. Das ist noch ein bisschen gekünstelt am Anfang. Doch bei den pantomimischen Übungen, noch dazu in der lachbereiten Gruppe, wird schnell ein echtes Lachen daraus.

Das limbische System erlaubt uns nämlich, loszuprusten, wenn wir etwas Lustiges sehen oder hören. Und wenn uns jemand anlacht, lachen wir automatisch zurück – den Spiegelneuronen sei Dank. Doch was ist, wenn der Neocortex, das Frontalhirn und unser Zensor, sich einschaltet und sagt: „Sei nicht so albern, darüber lacht man nicht“? Zum Glück lässt sich das Lachen genauso wie andere Körperfunktionen trainieren. Und dem Gehirn ist es egal, ob wir spontan lachen oder zunächst nur mal so tun. Es werden die gleichen Glückshormone ausgeschüttet. Cool, oder?

Der Begriff „Lachyoga“ ist allerdings etwas irreführend, denn aus dem Yoga kommen nur die Atemübungen. Damit entspannen wir uns zwischen den mitunter anstrengenden Lachphasen, bei denen das Zwerchfell ordentlich gekitzelt wird. Verknoddeln muss sich also niemand!

Nachdem wir drei Stunden lang fleißig Endorphine produziert haben, ist klar: Wir wollen mehr. Wir haben nun Übungen, mit denen wir im Alltag das gute Gefühl wieder wecken und unseren Neocortex austricksen können. Und vielleicht gibt es ja in Zukunft an der VHS einen regelmäßigen Kurs? Das wäre doch gelacht!

Kommentare

  1. PS von mir: Das mit der guten Laune ist ein Insider-Gag von Martina Müller, den ich jetzt nicht verrate. Dafür frisch reingekommen aus dem Newsletter von Severin Groebner, einem meiner Lieblingskabarettisten:

    „Unbekannte Individuen haben sich nämlich erdreistet auf mehrere Straßen in Wien ein Lächeln zu malen.
    Ein Lächeln! In Wien!!! in aller Öffentlichkeit!!!! Das ist ein schwerer Angriff auf unsere Identität, bitte. Wer unsere schlechte Laune attackiert, trifft uns im Kern unseres Da- und Dagegenseins. Geht’s noch? Was kommt als nächstes? Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn? Philosemitische Nazis? Feministische Islamisten? Spitzenköche aus Brandenburg? Hier trägt das Abendland doch schon den Morgenmantel!
    Und was sagt das Wiener Magistrat für Straßenverwaltung dazu? „Wir sehen es mit Humor.“
    Das ist doch eine Bankrotterklärung! Hier werden vor der guten Laune die Waffen gestreckt!“

    Ich weiß, warum ich Groebner so liebe: Weil er mich immer zum Lachen bringt.

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