In Sprache

Bierflasche mit Werbetext

Wie wirre Worte für Werbetexte entstehen oder: knackigknackigknackig, bis die Gehirnrinde knackt

Dialog zwischen Kunde (Brauerei) und dem Kontakter einer Werbeagentur, wie er stattgefunden haben könnte.

Kunde: „Da, auf die Weizenbierflasche, unten, da muss noch ein Satz hin, was Knackiges!“ (Knackig=Lieblingswort in der Marketing-Branche, inzwischen auch bei Einzelpersonen beliebt, die Textaufträge vergeben).

Kundenkontakter der Agentur: „Klar, machen wir.“

Kundenkontakter zum Werbetexter: „Du, auf die Weizenbierflasche, da muss unten noch ein Satz hin, was Knackiges!“

Werbetexter, stirnrunzelnd: „Klar. Was Knackiges.“ Sein Vorschlag: Prickelnd-frischer Biergenuss.

Kundenkontakter, stirnrunzelnd: „Okay. Könnte knackig sein. Ich geb’s weiter.“

Anderntags Kunde zum Kundenkontakter: „Das ist nicht knackig. Da muss was Emotionales hin, verstehen Sie: E-M-O-T-I-O-N-A-L. Unsere Kunden müssen da sofort ein Wohlfühlbild vor Augen haben.“

Kundenkontakter: „Natürlich. Sie haben ganz recht. Das muss knackiger sein. Ich geb’s weiter.“

Kundenkontakter zum Werbetexter: „Das war doch nicht knackig genug. Es muss was Emotionales sein. Weißt du, was ich meine?“

Werbetexter, schmunzelnd: „Ich denke schon. Knackig, aber mit Gefühl“.

Am Ende ist der Kunde glücklich mit „Prickelnde Momente im Schatten der Eiche“, der Werbetexter hat seine Ruh‘, und dem Endkunden, also dem Biertrinker, ist es eh egal. Falls er überhaupt hinliest, stellt er sich dann im Zustand erhöhter Lebensfreude vor, wie der Germanensigurd seiner Germanenhiltrud unters Fellröckchen fasst. Alles im Schatten der Eiche.

Kommentare

  1. Sehr amüsant, die Welt der Werbetexter. Die haben es auch nicht leicht. Sollen sich immer wieder kreativ ergießen und keiner liest es.

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