In Menschen

Besser als ein Heimatmuseum

Neuhofen hat kein Heimatmuseum. Dafür etwas viel Besseres: eine Museumsscheune. In diesem Jahr aufwändig renoviert mit funkelnagelneuem Dachstuhl, einem Beleuchtungskonzept, das jedem gehobenen Inneneinrichter zur Ehre gereichen würde, frisch verputzten Wänden und einem gemütlichen Außenbereich, den ich selber gerne hätte. Überhaupt – ich würde glatt einziehen! Es gibt einen Fernseher aus den Anfangszeiten des „Schlappekinos“, einen gusseisernen Ofen, einen mit Kohle befeuerbaren Herd, über dem ein paar Unterbuchsen aus Omas Zeiten hängen (sek-siiiii!). An den Wänden landwirtschaftliche Gegenstände aus einer Epoche, in der die Felder noch ehrlich von Hand bewirtschaftet wurden, jedes Exponat liebevoll mit einem Inventarzettel versehen.

Dahinter steckt viel Arbeit. Diese Mühe machen sich die Mitglieder vom Heimat- und Kulturkreis (HKK) Neuhofen. Letzter Coup ihrer Rührigkeit ist die Doppelausstellung zweier Neuhöfer Künstler in der Scheuer: Otto Ditscher und Helmut Hirmer. Während ersterer im Zuge seines langen Schaffens (er lebte von 1903 bis 1987) die Techniken wechselte wie manch einer seine Wäsche – vom Stilleben in Öl, die Gassen und Felder seiner Heimat Neuhofen abbilden, über abstrakte Linolschnitte, Materialcollagen oder Zeichnungen seiner Reiseziele in aller Welt, arbeitete Hirmer kalligraphisch. Er habe sogar Schriften erfunden, heißt es. Ditscher ist im Ortsbild von Neuhofen allgegenwärtig – so stammt von ihm ein Fenster in der katholischen Kirche, und er gestaltete u. a. den Brunnen vor dem Rathaus. Hirmer, der 2014 mit 66 Jahren starb, ist da geheimnisvoller. Doch weil die Gemeinde seinen Nachlass aufgekauft hat und der HKK sich nun mit der Sichtung und Katalogisierung beschäftigt, dürften weitere Arbeiten und manch interessantes Details seines Wirkens mit der Zeit zu Tage treten. Ich bin gespannt!

„Begegnung“ von Otto Ditscher. Genau hinschauen!

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