In Menschen

Rhabarberernte in der Vorderpfalz

Als Erntehelferin in der Vorderpfalz: Wenn der Rhabarber ruft

Es ist Corona. Das soziale Leben ist eingeschränkt, die Angst grassiert. Jeder Mitmensch ist eine potenzielle Gefahr. Viele von uns Künstler*innen haben ihre Jobs verloren. Mir ging es nicht anders. Meine Abrechnung der Zeitung wies für den den März stolze 8 Euro 85 auf; Werbeaufträge gab es null.

Es folgten manisch-depressive drei Wochen: Einerseits Lähmung und Existenzangst. Andererseits fieberhafte Aktivität. Ich muss doch was machen! Telkos und Videokonferenzen, wohin ich sah. Das Sportstudio wollte mich animieren, mein Fitnessprogramm auf der heimischen Yogamatte nach Anleitungen aus dem Internet zu absolvieren. Ich hätte mich per Telefon coachen lassen können. Ich habe versucht, bei einer Vernetzungsaktion von Soloselbstständigen mitzumachen. Bis ich nach zwei Sitzungen feststellte: Mit lauter fremden Leuten per wackeligem Videochat zu konferieren und dabei die ganze Zeit schlau auszusehen, liegt mir nicht. Nach dieser Erkenntnis ging’s mir schon mal besser, wenngleich sich die Existenzangst natürlich nicht in Luft auflöste.

Nun zeigte sich ein unschlagbarer Vorteil meines Wohnortes. Wie oft hatte ich mich über die wenig charmante Agrarwüste (auf Marketingdeutsch: „Der Gemüsegarten der Pfalz“) ringsum beschwert und sehnsüchtig nach der lieblichen Weinstraße geschielt. Und jetzt sitze ich bei strahlendem Sonnenschein an der frischen Luft mitten im Rhabarberfeld, arbeite mit Gleichgesinnten zusammen – wir alle lieben die Natur, mögen die körperliche Arbeit, soweit es die Physiognomie eben zulässt – und – was mir im Berufsleben auch eher selten passiert: Meine Arbeit wird wertgeschätzt.

Bild: Mikela Steinberger

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